16. Januar 2026 – Beleggeburt

Einen Tag vor deiner Geburt habe ich deine Eltern noch einmal gesehen. Wir haben eine Schwangerschaftskontrolle gemacht, weil du dich etwas weniger bewegt hattest. Doch es ging dir bestens. Du lagst ruhig und gut bereit, als würdest du Kraft sammeln für das, was kommen sollte.
Es war schön, deine Eltern noch einmal zu sehen und diese besondere Verbundenheit zu spüren, im Wissen, dass deine Geburt ganz nah war. Wir alle hatten das Gefühl: Es wird nicht mehr lange dauern. Und genau so war es.
In dieser Nacht ist deine Fruchtblase geplatzt, und einige Stunden später haben die Wehen begonnen. Die Stimmung auf dem Weg zu deinen Eltern war sehr speziell: dichter, tiefer Nebel lag in der Luft, man sah kaum einen Meter weit. Alles war still und geheimnisvoll – als würde die Welt kurz den Atem anhalten für dein Ankommen.
Als ich bei deinen Eltern zu Hause ankam, waren die Wehen bereits stark. Deine Mutter ist eine unglaublich starke Frau. Ich war tief beeindruckt von ihr. Mit so viel Würde, Mut und Vertrauen hat sie jede einzelne Wehe angenommen. Nach etwa einer Stunde haben wir beschlossen, uns langsam auf den Weg ins Spital zu machen. Die WG war bereits wach – man hörte leises Tuscheln, gespannte Freude, ein gemeinsames Wissen: Die Geburt hat begonnen, die Hebamme ist da.
Ich habe im Spital angerufen, um uns anzumelden. An diesem Tag wollten viele Babys auf die Welt kommen, und zunächst gab es keinen freien Raum. Lior und ich haben kurz überlegt: Vielleicht doch eine Hausgeburt? Eine zweite Hebamme organisieren?
Doch die Hebammen im Triemli haben alles darangesetzt, uns ein Zimmer mit Badewanne zu ermöglichen. Zuerst mussten wir noch kurz in einem anderen Raum warten.
Du hattest es aber sehr eilig. Kaum im Spital angekommen, haben bereits die Presswehen begonnen. Wir wechselten rasch ins andere Zimmer, und deine Mama ist sofort ins warme Wasser gestiegen. Auch dort hat sie alles mit unglaublicher Stärke und Tapferkeit getragen. Die Wehen waren intensiv, mit nur wenig Pause dazwischen. Du wolltest unbedingt auf die Welt kommen.
Die Atmosphäre im Gebärsaal war gemütlich: draussen der dichte Nebel und Schnee, drinnen gedämpftes, warmes Licht, die Bäume sanft dekoriert, deine Mutter in der Badewanne, wir alle voller Vorfreude, dich endlich kennenzulernen. Bald war dein Köpfchen zu sehen. Es sah aus, als würdest du gleich geboren werden, doch dein Kopf hatte noch ein wenig Mühe, über den Damm zu kommen, und deine Herztöne reagierten darauf.
Nach etwa elf Minuten weiteren Pressens entschieden wir gemeinsam, dass wir sicherstellen möchten, dass es dir gut geht. Deine Mutter kam aus dem Wasser, wir halfen ein wenig nach – und schon warst du mit der nächsten Wehe da.
Den kurzen Stress hast du erstaunlich gut weggesteckt. Du warst sofort wach, präsent und ganz da.
Ich wünsche dir für dein Leben viel Entschlossenheit und Mut. Mögest du immer Vertrauen haben, in dich selbst und darin, dass du getragen bist von Menschen, die dich lieben, dich unterstützen und an deiner Seite sind.
Willkommen auf dieser Welt.

Deine Hebamme Sara