Du, deine Eltern und ich hatten noch ein abendliches Date vor deinem Geburtstag. Wir waren uns nämlich nicht ganz sicher, ob du am Mittag zuvor deine Fruchtblase eröffnet hast oder nicht. Um sicher zu sein, gehen deine Eltern mit dir noch im Bauch für eine kleine Untersuchung im Unispital vorbei. Fazit – es war wohl doch kein Blasensprung. Durchatmen, nach Hause gehen, ruhen.
Ob das jetzt ein Blasensprung war oder nicht, weisst wohl nur du. Am nächsten Morgen jedenfalls startete deine Geburt nun ganz deutlich mit kraftvollen Wellen. Etwa um die „zMittagszeit“ darf ich auch dazukommen. Ich beende noch den Poolaufbau, den dein Papa begonnen hat, beziehe das Sofa mit Schutzfolie und mache mir ein Bild von eurer Situation.
Deine Mama veratmet heftige Wellen im Vierfüssler auf dem Boden eures Badezimmers. Dein Papa hält, massiert, lobt und spricht deiner Mama motivierende Mantras ins Ohr. Deine Herztöne sind wunderbar und der Muttermund auch schon halb offen. Sobald genug Wasser im Pool ist, steigt deine Mama ins Wasser. Dies und auch die Gewissheit, dass der Muttermund schon in der Eröffnung ist, geben ihr Ruhe und Kraft. Ein kleines bisschen Hebammensorge sehe ich noch auf ihrer Stirn, denn du bist nicht so tief im Becken, wie sie dies gern hätte. Diese kleine Sorge verfliegt, als du beim nächsten Untersuch einen Riesengump Fortschritt gemacht hast. Ich staune nur. So ein tolles Team seid ihr drei.
Ich bin einfach nur da und schaue regelmässig nach deinen Herztönen. Alles andere macht ihr zu dritt allein. Deine zweite Hebamme Andrea kommt auch langsam dazu, gerade noch vor dem Feierabendverkehr. Dein Papa geht noch kurz mit eurer Hündin Gassi. Deine Mama bewegt sich von Seite zu Seite in den Vierfüssler und zurück und schiebt dich kraftvoll dem Ausgang entgegen. Und dann ist dein Kopf geboren. Bei der nächsten Welle zeigt sich, dass dir irgendetwas noch im Weg steht. Ich taste deine kleine Hand, du hältst sie an deiner Wange. Als dann der dazugehörende Arm als Erstes geboren wird, kommst du nach und deine Mama hebt dich aus dem Wasser auf ihre Brust. Dort, gehalten von deinen Eltern und bestaunt, kommst du langsam auf dieser Welt an.
Willkommen auf dieser Welt.
Es war so schön dabei zu sein, wir danken euch.