Eine Woche vor deinem errechneten Termin kommt deine Mama nochmals zu uns nach Wädi. Alles ist gut, und sie ist bereit für eure Geburt.
Fünf Tage später beginnen in der Nacht um 3 Uhr eure Wellen. Sie sind von Beginn an schön lange und auch schon bald regelmässig. Um 6 Uhr darf ich mich auf den Weg zu euch machen. Deine Mama atmet schon kräftig mit, eure Wellen sind stark, sie muss sich gerade übergeben. Das TENS-Gerät hilft ihr, und als der Pool bereit ist, steigt sie sehr gerne hinein.
Dein Papa war an diesem Morgen schon mit zwei eurer Tierli beim Metzger. Er wird nun fest von deiner Mama gebraucht, spricht ihr motivierende Worte zu und massiert sie im Kreuz. Er ist sehr beeindruckt von ihr, und ich muss schmunzeln, wenn er manchmal «Guueti Meite» sagt. Er kennt sich mit Geburten aus. Manche Sachen laufen gleich ab – bei Menschen und bei Kühen.
Als der letzte Rest des Muttermundes vor deinem Köpfchen sich etwas Zeit lässt, motiviere ich deine Mama, in verschiedene Positionen zu gehen, um dich beim Tiefertreten zu unterstützen. Sie hat eigentlich gar keine Lust dazu, das merke ich. Aber sie macht es trotzdem, findet noch Kraft dafür. Also darf ich ihr Becken mit dem Rebozo schütteln, sie macht mit deinem Papa eine Übung am Bettrand, die ihr schon aus der Schwangerschaft kennt, geht in die tiefe Hocke und in die Seitenlage. Und das alles hat dir sehr geholfen: Der Muttermund ist nicht mehr vor dir, du hast freie Bahn.
Ihr seid nun wieder im warmen Wasser. Aber irgendwie scheint das Wasser nicht so für euch zu arbeiten. Als ich deine Mama eine Stunde später vaginal untersuche, merke ich: Du bist noch an etwa derselben Stelle wie beim Einstieg und drehst dich immer mal wieder mit dem Gesicht nach vorne und hinten. Deine Mama versichert mir, noch genügend Energie für deine Geburt zu haben. Sie macht das so unglaublich gut. Sie steigt nochmals aus dem Pool raus, immer gestützt von deinem Papa. Ihr nutzt die Schwerkraft, und als sich dann eure Fruchtblase öffnet, kommst du schön tiefer.
Eure Hündin war unter der Geburt sehr zurückhaltend, aber nun, da auch sie merkt, dass du bald da sein wirst, ist sie sehr interessiert. Ihr Kopf ist direkt neben meinem, und so sieht sie dich näherkommen. Du wirst im Vierfüsslerstand vor eurem Sofa geboren. Mit beiden Händen an den Wangen hast du es plötzlich pressant. Du drehst dich für die Schultern gar nicht mehr, sondern nimmst den direkten Weg. Wow, ihr seid zwei starke Frauen.
Willkommen auf dieser Welt, kleine Erdenbürgerin.