Nach den langen Tagen deiner Geburt bin ich nach Hause gekommen und habe auf dem Dach gesessen und habe an dich und an deine Geburt gedacht und Musik gehört. Der Himmel war gerade so wunderschön rosarot. Und ich bin so erleichtert, dass du endlich da bist und dass es dir gut geht.
Zum Start möchte ich dir zuerst von deiner Familie erzählen – oder vor allem von deiner Mutter. Ich bin so tief beeindruckt von ihr. In den letzten Tagen hat sie so viel Stärke, Durchhaltevermögen und Geduld gezeigt und wirklich alles gegeben, ihr letztes bisschen Kraft, um dir den bestmöglichen Start in dein Leben zu ermöglichen.
Es war eine lange Reise mit dir. Die Schwangerschaft war nicht immer leicht. Bereits als ich deine Mutter in der 37. Schwangerschaftswoche zur Schwangerschaftskontrolle gesehen habe, war es schwer für sie. Sie konnte nicht mehr gut schlafen, und die Wassereinlagerungen haben ihr sehr zu schaffen gemacht.
Von diesem Moment bis zu deiner Geburt verging noch einmal genau ein Monat. Ab dem errechneten Termin haben deine Eltern alles getan, um dich dabei zu unterstützen, dass deine Geburt beginnen konnte. Und plötzlich waren wieder sieben Tage vergangen, und dir gefiel es noch immer sehr gut im Bauch deiner Mutter.
Nachdem neun Tage vergangen waren, entschieden wir, dir langsam noch Unterstützung von aussen zu geben, damit deine Geburt in die Gänge kommen konnte. Zuerst mit einem Wehencocktail, dann mit einer medikamentösen Einleitung. Auch dies hat seine Zeit gebraucht.
Als dann zwölf Tage nach deinem Termin vergangen waren, haben die Wehen angefangen. Viele Wehen, lange Zeit mit Geburtsschmerzen – und leider ohne Geburtsfortschritt. Der Muttermund wollte sich nicht öffnen.
Mit einer PDA und weiterer Wehenunterstützung ist der Muttermund dann schön aufgegangen. Zwei Tage nach den ersten Geburtswehen war er endlich ganz offen, und zwei Stunden später sahen wir deine Haare.
Im ganzen Verlauf war dein Kopf immer wieder nicht gut eingestellt. Wir haben so viel gemacht, damit du dich gut einstellen kannst: viele Turnübungen, sogar fast den Kopfstand, viel Schütteln, viel Bewegung. Doch dein Köpfchen blieb bis zum Schluss nicht optimal eingestellt.
Deine Herztöne fingen an zu reagieren, deine Mutter entwickelte langsam Fieber. Nach all den Stunden so schwerer Arbeit – vor allem von deiner Mutter, aber auch von deinem Vater, deinen Hebammen und deinen Ärzten – hast du schlussendlich beschlossen, dass nun genug probiert worden ist. Deine Herztöne reagierten nach dem Pressen länger, und so war uns klar: Damit du gesund und wohlauf auf die Welt kommen kannst, müssen wir dir helfen.
Per Kaiserschnitt bist du dann einige Minuten später auf die Welt gekommen. Es war gut, dass du uns das so klar gezeigt hast, denn der letzte Teil der Geburt war wirklich stressig für dich. Das haben wir auch nach deiner Geburt gesehen: Du hast es super gemacht, hast aber noch ein bisschen Atemunterstützung gebraucht. Für uns alle war es nicht leicht zu akzeptieren, wie die Geburt ihr Ende gefunden hat. Ich hoffe von Herzen, dass deine Mutter dennoch stolz auf sich sein kann und darauf, dass sie jetzt deine Mutter ist.
Lieber kleiner Mensch, von Herzen wünsche ich dir alles Beste für dein Leben. Ich wünsche mir, dass du die Zeit, die du jetzt von deinen Eltern getrennt bist, ganz fest nachholen kannst, dass ihr als Familie diese Zeit gut nachholen könnt – viel kuscheln, geniessen und endlich vereint sein.
Ich wünsche dir ein Leben voller Liebe und Unterstützung.